Jetzt ging’s wirklich los. Die Aufregung war groß, als wir endlich nach den langen Vorbereitungen in Seattle in Washington State angekommen sind. Die Einreise verlief problemlos und auch unsere Räder sind gleichzeitig mit uns angekommen. Die ersten zwei Tage verbrachten wir in einem Haus in der einer Vorstadt von Seattle bei Bekannten. Der Jetlag holze uns früh aus den Betten, was dazu führte, dass bereits am ersten Morgen gegen 8 Uhr unsere Räder fertig zusammengebaut und bereit fürs Losfahren waren. Aber wir waren es noch nicht! Wir haben uns zwei Tage „Ankommen“ gegönnt, um nach Downtown Seattle zu fahren, Einkäufe zu erledigen und die erste Etappe fertig zu planen.
Am Tag des Losradelns waren wir wieder bereits um 5 Uhr wach und starteten somit am frühen Vormittag den ersten Radeltag. Zuerst ging’s gemütlich ein wenig rauf und runter durch die Vorstadt. Wir radelten an unzähligen Häuser mit Holzveranda und großen geparkten Autos vorbei. Diese Autos begleiteten uns noch lange in dieser ersten Radelwoche, nur dass war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Voller Motivation und Enthusiasmus tritten wir fleißig in die Pedale, um unsere doch sehr schweren Fahrräder zu bewegen. Die Freude war groß, doch auch der Respekt begleitete uns. Wir spüren, dass das was wir uns vorgenommen haben, wirklich eine riesen Sache ist und dass sehr viele Kilometer, unzählige Aufs- und Abs und viele schwitzende Stunden vor uns liegen. In Gedanken versunken radelten wir nebeneinander her, unsicher, ob wir dieses Gefühl gerade alleine in uns tragen, oder ob es nicht auch von der anderen Person geteilt wird.
Die erste Woche ist vergangen und wir haben die fast 300 Kilometer zwischen Seattle und Portland erfolgreich zurückgelegt. Passagen an Flüssen, durch große Wälder und über bewachsene Hügel ließen unsere Radlherzen höherschlagen. Erfrischung im eiskaltem Wasser, wo Fischer:innen angeln und Schattenplätze unter riesigen Douglas-Tannen brachten uns Abkühlung. Während in Europa gerade eine Hitzewelle tobt, ist es auch hier bereits immer heißer geworden. Die ersten Tage konnten wir angenehm frisches Wetter genießen, mittlerweile ist es jedoch sehr heiß und die Waldbrand-Gefahr, auch in den Staaten Washington und Oregon (welche als „rainy states“) bekannt sind, ist hoch.
Besonders heiß wird es auf den Highways (wo neben vier Spuren Autos tatsächlich ein Radfahrstreifen aka „Cycling path“ Platz hat), auf dem große Pick-Ups und Trucks (LKWs) an einem vorbeidonnern. Hier heißt es mentale Stärke beweisen, um den Lärm auszublenden und einfach weiter zu treten.
In Portland dürfen wir wieder bei Bekannten übernachten und beim gemeinsamen Abendessen einander besser kennenlernen. Auf dem Weg haben wir bereits viele staunende Kommentare, ermutigende Worte und unzählige „Have fun! Safe travels!“ – Wünsche gehört. Am Wegesrand oder am Campingplatz kamen wir leicht ins Gespräch mit Einheimischen oder wurden auch gleich zum Lagerfeuer am Zeltplatz eingeladen.
Wie die Route weitergeht und wie wir am besten dem Autoverkehr zumindest halbwegs ausweichen können, werden wir heute planen. Bis dahin behalten wir uns dieses Zitat von John von Düffel aus „Das Wenige & das Wesentliche“ im Kopf: „Sinn in seiner ursprünglichsten Form ist Richtung. […] Eine Richtung zu haben heißt in einer Geschichte zu sein.“ Mal sehen, was unsere Geschichte noch so mit sich bringt…
























das klingt ja sehr stark und fein💪
ihr schafft es🍀🥳